Schule

Autistische Menschen lernen. Weil sie anders lernen als andere Menschen und die Schulen auf nicht-autistische Menschen ausgerichtet sind, brauchen oder bräuchten sie oft eine angepasste Lernumgebung, um ihr Potential entfalten zu können. Nichtsdestotrotz sind die meisten Kinder und Jugendlichen im Autismus-Spektrum an Regelschulen und oft nicht als solche etikettiert.

Gestaltung des Lern- und Lebensraumes Schule

„Nur bei grundlegender Annahme des Kindes und Offenheit auch in schwierigen Situationen können die vielen guten Seiten des Kindes entdeckt und entfaltet werden.“

Folgende Punkte sollten bei Kindern und Jugendlichen mit Asperger-Syndrom in der Schule beachtet werden.

  • Voraussetzung für ein Gelingen ist Aufgeschlossenheit, einfühlsames und verständnisvolles Verhalten der Lehrkräfte
  • Rahmenbedingungen
    • Anzahl der FachlehrerInnen so klein wie möglich halten
    • Bezugspersonen/Helfer sind wichtig
    • Struktur im Unterrichtsverlauf: Rituale, Symbole
    • Absprachen unter den Lehrkräften
    • Hausaufgabenmenge allenfalls anpassen, klare Anweisungen
    • Orientierung im Schulgebäude ist schwierig, evtl. Begleitung
    • Ruhephasen ermöglichen
    • Teilnahme an außerschulische Lernorten gut planen und vorankündigen
    • Veränderungen jeglicher Art – wenn möglich – ankündigen (Stundenplan, Kollegen, Räume)
    • Raumgestaltung
    • reizarme Umgebung
    • Rückzugsmöglichkeiten
    • Sitzordnung ( AS sitzen oft gerne am Rand, brauchen eine ‚freie‘ Seite)
    • Alternative Lernangebote
    • Gruppenarbeit nicht erzwingen, allenfalls Einzelarbeit ermöglichen, oder kleine Gruppe
    • Abschreiben ist für AS schwierig, Zeitdruck. Besser Kopie abgeben
    • Einbeziehen der Mitschüler (Lernpartner …)
  • Sportunterricht
    Die Sporthalle bringt für manche Kinder mit Asperger-Syndrom durch die offene Situation ungünstige Bedingungen mit sich. Es muss im Einzelfall über Teilnahme/Befreiung vom Sportunterricht nachgedacht werden oder eine teilweise Befreiung von bestimmten Inhalten. Sport in der Gruppe kann schwierig sein.
  • Pausensituation
    Auch die Pause bedeutet für manche Kinder eine schwer zu bewältigende Situation und bringt einen erhöhten Stressfaktor mit sich. Über Alternativen muss gegebenenfalls nachgedacht werden.

Wichtigste Voraussetzung für ein Gelingen ist die Offenheit der am Prozess Beteiligten!!!

Gemeinsame Gespräche zwischen Eltern, LehrerInnen und TherapeutInnen sowie weiteren beteiligten Personen können eine wichtige Bedingung sein, die Schwierigkeiten zu bewältigen. Dazu gehören auch – angepasst an das Alter der Kinder und die Situation – Gespräche mit den Klassen.
 
Je nach Schweregrad der autistischen Besonderheiten können weitere Massnahmen notwendig sein:

  • Nachhilfestunden für autistische SchülerInnen und Schüler
  • Schulbegleitungals Eingliederungshilfe für:
    • Hilfen im lebenspraktischen Bereich
    • Förderung der sozialen Integration (Hilfe bei Kontaktaufnahme…)
    • Psychischen Hilfestellungen (Umgang mit Stresssituationen …) bis hin zu
    • Unterrichtsbezogenen Tätigkeiten (Einrichten des Arbeitsplatzes, Strukturierung von Lernangeboten …)
  • Anwendung des Nachteilsausgleiches
    Der Nachteilsausgleich ermöglicht einen Ausgleich der durch die Behinderung entstehenden Nachteile. Dabei sollen die fachlichen Anforderungen nicht geringer bemessen werden. Die Anwendung des Nachteilsausgleichs darf nicht in Zeugnissen vermerkt werden. Er ist dem Entwicklungsverlauf des Schülers/der Schülerin anzupassen.
    Ein Nachteilsausgleich kann folgendermaßen aussehen:
    • verlängerte Arbeitszeiten bei Klassenarbeiten
    • Bereitstellen bzw. Zulassen spezieller Arbeitsmittel (Computer, Kassettenrecorder, größere bzw. Spezifisch gestaltete Arbeitsblätter, größere Linien, spezielle Stifte o.ä.)
    • mündliche statt schriftliche Prüfung (z. B. Einen Aufsatz auf Band sprechen)
    • oder umgekehrt: schriftliche statt mündliche Prüfung
    • unterrichtsorganisatorische Veränderungen (z. B. Individuell gestaltete Pausenregelungen, individuelle Platzorganisation, Verzicht auf Mitschrift von Tafeltexten)
    • bei der Hausaufgabenstellung
    • individuelle Sportübungen
  • Beratung
    Idealerweise können sich die Lehrkräfte bei Fachpersonen beraten lassen, oder werden von Fachpersonen gecoacht.