Asperger-Syndrom

„Menschen mit Asperger-Syndrom brauchen manchmal nur relativ wenig Hilfe, aber es muss die richtige Art von Hilfe sein. Aber selbst diese können sie nicht erhalten, wenn niemand weiss, was mit ihnen los ist. Auf einigen Gebieten wird zu viel von ihnen erwartet, und dieser Druck kann sie (fast) umbringen, erst recht, wenn sie selber nicht wissen, warum sie 'so' sind.“

 

Die beiden international gebräuchlichen Klassifikationssysteme für Krankheiten, ICD-10 und DSM-IV, nennen vier diagnostische Kriterien für das Asperger-Syndrom:

  • Qualitative Beeinträchtigung wechselseitiger sozialer Interaktionen.
    Die Betroffenen zeigen Auffälligkeiten in ihrem nonverbalen Verhalten (Gesten, Körperhaltung, Mimik, Blickkontakt, Intonation) und auch eine Unfähigkeit, zwanglose Beziehungen zu Gleichaltrigen oder Älteren herzustellen. Es gelingt ihnen nicht, emotional mitzureagieren und somit an Freude, Ärger, Wut oder Trauer anderer Menschen teilzuhaben.
     
  • Repetitive und stereotype Verhaltensmuster sowie ausgeprägte Sonderinteressen
    Viele Menschen mit Asperger-Syndrom haben Sonderinteressen, gerade diese lassen sie häufig faszinierend und ungewöhnlich erscheinen. Ein Spezialinteresse zeichnet sich aus durch:
    • Seine Intensität. Inhaltlich zwar nicht auffällig, aber Intensität der Beschäftigung mit dem Thema ist überdurchschnittlich hoch.
    • Die umschriebene Art. Begrenzung und Fixierung auf ein umschriebenes Gebiet, keine Entwicklung zu einem breiteren Wissenszusammenhang.
    • Seine nicht-soziale Qualität. Das Interesse wird nicht mit anderen geteilt zum Zweck einer gemeinsamen Aktivität, lediglich im Sinne eines Nebeneinanders.
    • Die relative Stagnation über einen längeren Zeitraum. Dann kann das Interesse auf ein neues Thema wechseln. Optimalerweise ist ein Spezialinteresse die Ausgangsbasis für eine berufliche Orientierung.
  • Keine klinisch bedeutsame Verzögerung der sprachlichen und kognitiven Entwicklung.
    Einzelne Wörter sollten im zweiten Lebensjahr oder früher gesprochen werden, erste Sätze im dritten Lebensjahr oder früher. Die Intelligenz sollte mindestens im durchschnittlichen Bereich liegen. Die frühkindliche Entwicklung bis zum 3. Lebensjahr sollte unauffällig verlaufen sein (z.B. Selbsthilfefertigkeiten, adaptives Verhalten und Neugier an der Umwelt).
  • Symptome erfüllen nicht die Diagnosekriterien einer anderen tiefgreifenden Entwicklungsstörung oder der Schizophrenie.
    Üblicherweise treten mit Asperger-Syndrom auch motorische Beeinträchtigungen auf.